Schwammstadtlösungen für den Kreisel Ohrbühl in Winterthur
Niederschlag ist ein zentraler Bestandteil eines funktionierenden Wasserkreislaufs. Er ermöglicht Vegetation, sorgt für Kühlung und trägt wesentlich zur Lebensqualität im urbanen Raum bei. Gerade in stark versiegelten Strassenräumen fehlen jedoch häufig Grünflächen und insbesondere grosskronige Bäume, die Schatten spenden, Wasser verdunsten und damit zur Minderung von Hitze beitragen.

Gleichzeitig stellen Starkregenereignisse Städte vor grosse Herausforderungen. Innerhalb kurzer Zeit fallen enorme Wassermengen an, die abgeführt werden müssen. Mit zunehmenden Hitzeperioden und intensiveren Niederschlägen steigt der Anpassungsbedarf. Das Gewässerschutzgesetz verlangt grundsätzlich, dass Regenwasser versickert. Strassenabwasser enthält jedoch Rückstände wie Reifenabrieb, Schwermetalle und Feinstpartikel. Bevor dieses Wasser dem natürlichen Kreislauf zurückgeführt oder Pflanzen zur Verfügung gestellt werden kann, ist daher eine gezielte Reinigung notwendig.
Regenwasser lokal nutzen statt ableiten
Hier setzt das Schwammstadt-Prinzip an. Anstatt Niederschlagswasser direkt in die Kanalisation zu führen, wird es vor Ort aufgenommen, gespeichert, gefiltert und zeitverzögert wieder abgegeben. Der Boden übernimmt dabei die Funktion eines Speichers. Dieses Vorgehen unterstützt einen naturnahen Wasserkreislauf, verbessert das Mikroklima und wirkt Hitzeinseln im Siedlungsraum entgegen.
Pilotprojekt mit unterschiedlichen Systemen
Am Kreisel Ohrbühl testet die Stadt Winterthur verschiedene Massnahmen zur dezentralen Wasserbehandlung und -speicherung unter realen Bedingungen. In Zusammenarbeit mit der OST – Ostschweizer Fachhochschule, dem AWEL sowie dem BAFU wurden mehrere blau-grüne und technische Lösungen umgesetzt. Insgesamt sechs unterschiedliche Versickerungselemente werden während rund 18 Monaten untersucht, ausgewertet und dokumentiert. Ziel ist es, belastbare Grundlagen für zukünftige Projekte zu schaffen.
Ausgangspunkt war die Umgestaltung des Kreisels zur Verbesserung der Sicherheit für den Fuss- und Veloverkehr. Im Zuge der steigenden Verkehrsbelastung entsprach auch die bestehende Entwässerung nicht mehr den Anforderungen. Eine Einleitung in den Schmutzwasserkanal wäre zwar technisch möglich gewesen, wurde jedoch aus Nachhaltigkeitsgründen verworfen.
Realisiert wurden zwei unterschiedliche Baumgruben, Versickerungsmulden mit Bodenfilter, drei Tiefbeete mit Staudensubstrat sowie zwei technische Systeme in Form verschiedener Adsorberrinnen. Die Wirksamkeit der einzelnen Lösungen wird systematisch verglichen, um deren Leistungsfähigkeit unter Praxisbedingungen zu beurteilen.

Individuelle Betonlösungen für drei Tiefbeete
Für die drei Tiefbeete durften wir massgefertigte Betonelemente produzieren und liefern. Die insgesamt drei Rahmenelemente wiegen jeweils zwischen 2100 und knapp 4400 Kilogramm. Die Einfassungen sind 50 beziehungsweise 100 Zentimeter hoch, wobei der grösste Teil im Erdreich liegt.
Trotz einer Wandstärke von lediglich 12 Zentimetern wurden die Elemente statisch effizient ausgelegt. Dies erforderte eine präzise abgestimmte Bewehrung sowie erhöhte Anforderungen an Armierung und Schalungsbau. Drei unterschiedliche Schalungen kamen zum Einsatz. Für Transport und Einbau wurden die Elemente zusätzlich ausgesteift, um die notwendige Stabilität sicherzustellen. Die Fertigung der drei Sonderanfertigungen nahm rund eineinhalb Wochen in Anspruch.
Sämtliche Elemente verfügen über integrierte Einläufe, sodass Oberflächenwasser gezielt erfasst und der Versickerung zugeführt werden kann.
Bereits früh fiel der Entscheid zugunsten vorfabrizierter Bauteile. Neben gestalterischen Vorteilen sprach insbesondere der enge Terminplan für diese Lösung. In einem stark frequentierten Verkehrsumfeld musste die Umsetzung präzise koordiniert und mit möglichst geringer Beeinträchtigung des Verkehrs erfolgen.
Erkenntnisse für künftige Projekte
Das Pilotprojekt liefert wertvolle Erkenntnisse für die Weiterentwicklung von Schwammstadt-Konzepten im urbanen Raum. Entscheidend ist eine frühzeitige Abstimmung aller beteiligten Fachstellen, um gemeinsame Ziele und Vorgehensweisen festzulegen. Begrünte, wasserdurchlässige Flächen gelten dabei als bewährte, wirtschaftliche und wirkungsvolle Massnahme, um Städte klimaresilienter zu gestalten.

Projekt: Kreisel Ohrbühl, Winterthur Bauherr, Auftraggeber und Planung: Stadt Winterthur, Tiefbauamt Wissenschaftliche Leitung: Fachhochschule Ost Chemische Analysen: Kanton Zürich, AWEL Amt für Abfall, Wasser, Luft und Energie Finanzielle Unterstützung: Schweizerische Eidgenossenschaft, BAFU Bundesamt für Umwelt
Produkte CREABETON: Sonderanfertigung 3 Rahmenelemente für Tiefbeete